Ruhe, Gelassenheit und das richtige Hinsehen führen zu gelingenden Beziehungen

Wir heute sind geprägt, beeinflusst und bestimmt von Bildern, die wir auf den Portalen der sozialen Netzwerke, im Internet zu sehen bekommen. Einzelne, die hier Einfluss nehmen, nennt man folgerichtig »Influencer«. Mit diesem neuen »Beruf« lässt sich nennenswert Geld verdienen. Denn Clicks und Likes sind mit Werbung verbunden, die wiederum weitere Bilder liefert.

Wir leben, ja wir schwimmen in einer medialen, virtuellen Bilderflut, die uns mit immer neuem Bewundernswertem überströmen. Es verschwimmen Realität und Bild. Wir werden vor lauter solchen Wundern blind für das Wunder, das wir selbst sind. »Bist du ein Wunderkind oder vor Wunder blind?«, singt Alexa Feser in ihrem Lied »Wunderfinder«.

»Es ist nicht entscheidend, was die Leute sagen, sondern was sie tun«, sagen viele zu Recht. Nicht das, was auf Facebook und Instagram erscheint, nicht all die schönen Bilder sind real – denn niemand weiß schließlich, welche Person sich tatsächlich hinter ihnen verbirgt. Wir sehen nur die Bilder und nicht was die Menschen tatsächlich tun. Was wir »tun«, zeigt sich nur in unseren leibhaftigen Begegnungen mit anderen im alltäglichen Leben. Und auch hier gilt: Nicht das Bild, das Image, das jemand von sich gibt, was sie oder er von sich behauptet, sondern wie er sich verhält, wie er ist, gibt den Ausschlag. Deshalb ist es auch hier wichtig, genau hinzusehen und notwendige Unterscheidungen zu treffen. Denn die Dinge können uns täuschen. Wer nicht recht hinsieht, bleibt in vorgefassten Meinungen, Vorurteilen, seinen Wünschen, Erwartungen und Täuschungen stecken und übersieht, was tatsächlich wirklich ist. Der römische Philosoph Seneca erwähnt in diesem Zusammenhang ein treffendes Beispiel: »Schmeichelei – wie ähnlich ist sie doch der Freundschaft! Meist gaukelt sie Freundschaft übertreibend vor und wird mit offenen Ohren aufgenommen. Sie ist ein willkommenes Trugbild, das eine enttäuschende Verletzung schon in sich trägt.«

Ich freue mich natürlich, wenn ich nette Dinge über mich höre, wenn mir jemand sagt: „Das hast du gut gemacht.“ Ich genieße das und das ist gut so. Skeptisch werde ich, wenn sich mir das Gefühl aufdrängt, da übertreibt jemand, da kommt es einfach zu »dicke« mit dem Lob und der Anerkennung. Wie kann ich eigentlich herausfinden, ob der oder die andere es tatsächlich ehrlich meint? Ob sie nicht ihre eigenen Absichten damit verfolgt und zuletzt gar nicht an mir selbst und meiner Person interessiert ist. Auf den ersten Blick kann ich diese Unterscheidung nicht treffen. Auf den ersten Blick fühle ich mich geschmeichelt. Verlasse ich mich allein darauf, ist damit häufig schon eine baldige Enttäuschung und ein Verletzt-Sein verbunden. Ich denke, besser wäre es gewesen, ich wäre auf die Schmeichelei nicht herein gefallen. Letztlich bin ich wohl Opfer meiner Wünsche nach Freundschaft, Lob und Anerkennung geworden. Ich bin auf ein falsches Bild von mir reingefallen. Ein Bild, das ich mir nur wünschte zu sein.

Der Weg, dieser Falle zu entkommen, ist, sich Zeit zu lassen. In mehreren Begegnungen anzuschauen und so genauer zu sehen, wie sich jemand anderes verhält, was er tut. Kurz, der Weg ist, gelassen zu bleiben und erst einmal innezuhalten und abzuwarten. Dann kann ich die möglicherweise nur schmeichelnden Bilder von der Realität unterscheiden. Die Gelassenheit entspringt aus der Ruhe. Ruhe aber ist Gottes Ruhe in mir. Sie befreit mich von allen Trugbildern und Selbsttäuschungen, die mir manches Mal so willkommen scheinen. Gottes Liebe in mir zeigt, dass ich geliebt bin, so wie ich bin, ‑ schon immer. Sie zeigt mir: Du bist ein »Wunderkind«, ein wunderbarer Mensch. Ich bin nicht von irgendwelchen Schmeicheleien abhängig und soll ihnen nicht auf den Leim gehen. Will ich echte Freundschaften schließen, kommt es darauf an, selbst ein Freund zu sein. Dann wird Freundschaft sich einfach ergeben. Danach sehnen sich wohl alle Menschen – eben nach einer anderen als bloß der auf Facebook oder Instagram.

Andreas Bader, Pastor

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